Der Der Ineos Grenadier wurde entwickelt, um etwas zurückzubringen, das wir verloren haben: einen robusten, ehrlichen Geländewagen, der sich nicht als Luxus-SUV ausgibt. Er ist für unbefestigte Wege, Baustellen und lange Reisen abseits befestigter Straßen gemacht. Klingt vielversprechend. Und dann ist da noch der Preis.
Selbst nach einer Preissenkung kostet der Ineos Grenadier immer noch über 70.000 US-Dollar . Damit liegt er preislich im Bereich gut ausgestatteter Luxus-SUVs. Die entscheidende Frage ist also: Handelt es sich hier nur um ein Prestigeobjekt für Reiche, die gerne Offroad fahren, oder um den ernsthaften Versuch, ein alltagstaugliches, praktisches Fahrzeug zu entwickeln?
Für manche Menschen ist das unangenehm, aber die Antwort lautet: beides.
Die Idee hinter dem Ineos Grenadier
Im Kern ist die Ineos Grenadier auf Einfachheit ausgelegt – auf eine gewollte Einfachheit, nicht auf billige Einfachheit.
Man bekommt ein Leiterrahmenchassis, Starrachsen vorne und hinten, echte mechanische Bedienelemente, minimale Elektronik und jede Menge physische Knöpfe. Hardware der alten Schule.
Der Antrieb erfolgt durch einen BMW B58 Reihensechszylinder. Er ist turbogeladen, aber auf Langlebigkeit ausgelegt. Im Fokus stehen eine lange und zuverlässige Lebensdauer, berechenbare Leistung und die Fähigkeit, auch mit Kraftstoff minderer Qualität zurechtzukommen. Das ist wichtig, wenn man weit von einer Tankstelle mit sauberem Kraftstoff entfernt ist.
Diese Philosophie stellt den Grenadier in direkten Gegensatz zu modernen Geländewagen. Fahrzeuge wie der Land Cruiser setzen heutzutage auf Hybridsysteme. Diese sind zwar effizienter und umweltfreundlicher, aber auch komplexer und schwieriger zu reparieren, wenn etwas schiefgeht – insbesondere fernab jeglicher Hilfe.
Minimale Technik, maximale Absicht
Der Ineos Grenadier verzichtet auf Ausstattungsmerkmale, die die meisten Käufer heutzutage erwarten. Es gibt keine belüfteten Sitze, kein adaptives Fahrwerk und keine endlosen Fahrmodi, die Fehleingaben kaschieren.
Das Infotainmentsystem ist einfach gehalten. Die Offroad-Einstellungen sind simpel. Es gibt weder eine Kriechgangfunktion noch ein fortschrittliches Traktionssystem, das Sie bei Fehlern vorbeugt. Wenn Sie die falsche Linie wählen, sind Sie selbst dafür verantwortlich.
All das macht den Grenadier weniger verzeihend, aber auch ehrlicher .

Der Innenraum wirkt nüchtern und funktional: Hartplastik dominiert, kein Startknopf, kein schlüsselloses Zugangssystem. Selbst die elektrischen Fensterheber funktionieren nur automatisch nach unten, nicht nach oben. Eine automatische Fensterheberfunktion würde mehr Elektronik bedeuten, und das widerspricht dem Grundgedanken des Grenadier. Weniger Computer bedeuten langfristig weniger Ausfälle. Der Grenadier ist für jahrelange Beanspruchung gebaut, nicht um auf einem Parkplatz Eindruck zu schinden.
Warum ist der Ineos Grenadier so teuer?
Der Grenadier ist zwar einfach, doch ein einfaches Fahrzeug zu bauen, ist heutzutage nicht mehr so einfach. Moderne Sicherheits- und Abgasvorschriften machen das deutlich. Ineos musste den Grenadier von Anfang an so konstruieren, dass er den heutigen Crashtest-Standards, Emissionsgrenzwerten und gesetzlichen Anforderungen entspricht. Das bedeutet Airbags, Stabilitätskontrolle, Abgassysteme und umfangreiche Tests. Nichts davon ist optional, wenn man ein Fahrzeug in den USA verkaufen will.
Und dann ist da noch das Unternehmen selbst. Ineos ist ein brandneuer Automobilhersteller. Es gibt keine jahrzehntealte Lieferkette, keine gemeinsamen Plattformen und kein großes Produktionsvolumen, um die Kosten zu verteilen. Alles ist teuer, wenn man bei null anfängt.
Viele vergleichen den Grenadier gerne mit dem alten Land Rover Defender, und der Grenadier ist dessen geistiger Nachfolger. Der alte Defender war vor nicht allzu langer Zeit noch deutlich günstiger. Er hätte aber nie die modernen Zulassungsvorschriften erfüllt. Der Grenadier hingegen schon. Das allein erklärt einen Großteil des Preisunterschieds.
Ein Markt, der Spezialisten nicht mehr unterstützt
Der Preis des Ineos Grenadier offenbart auch ein größeres Problem auf dem Automarkt. Früher besaßen die Menschen mehrere Fahrzeuge: eines für den Alltag, eines zum Ziehen von Anhängern und eines für Freizeitaktivitäten. Das ist für die meisten Haushalte heute nicht mehr realistisch.
Mit steigenden Kosten wünschen sich Käufer ein Fahrzeug, das alles kann. So entstanden Crossover und Performance-SUVs, die versuchen, Komfort, Geschwindigkeit, Nutzwert und Effizienz zu vereinen. Sie sind beeindruckend, aber mit erheblichen Kompromissen verbunden. Selbst ein BMW X5 M ist ein Balanceakt. Er soll sich wie ein Sportwagen anfühlen und gleichzeitig Passagiere und Gepäck transportieren. Er kann vieles, aber nichts wirklich perfekt.
Nur noch wenige Fahrzeuge verweigern sich Kompromissen. Der Mazda MX-5 gehört zu den letzten Ausnahmen. Der Ineos Grenadier verkörpert dieselbe Philosophie, nur eben am anderen Ende des Spektrums.
Wofür der Grenadier eigentlich gut ist
Der Ineos Grenadier will nicht für jeden Fahrer alles sein. Er ist für den Offroad-Einsatz konzipiert. Punkt. Er wurde speziell für Overlander entwickelt. Er bietet alles, was man braucht: modulare Montagepunkte, ein für Zubehör vorbereitetes elektrisches System und ein Layout, das individuelle Anpassungen ermöglicht, anstatt alles hinter Verkleidungen zu verstecken.

Kritiker bemängeln oft seinen mangelnden Komfort. Diese Kritik rührt meist daher, dass er wie ein typischer Familien-SUV beurteilt wird. Das ist ein Fehler. Auf befestigten Straßen ist der Grenadier zwar nicht überragend, aber durchaus akzeptabel. Die Federung ist straff, die Lenkung indirekt und sein Fahrverhalten auf der Autobahn bestenfalls durchschnittlich. Sobald die Straße jedoch endet, spielen die Starrachsen und das berechenbare Fahrverhalten ihre Stärken aus.
Eine riskante Wette auf Enthusiastenfahrzeuge
Ineos setzt darauf, dass es nach wie vor einen Markt für Fahrzeuge gibt, die eine Sache besonders gut können. Während sich die Branche in Richtung Elektrofahrzeuge und softwareintensive Plattformen entwickelt, hebt sich der Grenadier durch seine traditionelle Herangehensweise ab.
Das Unternehmen behauptet, der Truck sei auf jahrzehntelange Lebensdauer ausgelegt. Sollte sich dies bewahrheiten und die Produktion ausgeweitet werden, könnten zukünftige Versionen erschwinglicher werden. Das würde den Markt für mehr Enthusiasten öffnen.
Kann ein zweckmäßiges, spartanisches Fahrzeug in einer Welt bestehen, die von Komfort und Technik besessen ist? Unabhängig davon, ob man sich ein solches Fahrzeug kaufen würde oder nicht, ist die Antwort wichtig. Denn manchmal ist ein Fahrzeug, das nur eine Sache gut kann, genau das, was sich Autofahrer wünschen.
Bilder: Ineos Automotive Media